GaN-Ladegeräte: warum die neuen so viel kleiner sind

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Vor ein paar Jahren war ein 65-Watt-Netzteil ein Klotz, den man ungern einsteckte, weil er die Nachbarsteckdose blockierte. Heute passt dieselbe Leistung in etwas von der Grösse eines Würfelzuckers. Dahinter steckt kein Marketingtrick, sondern ein Materialwechsel.
Was GaN eigentlich ist
GaN steht für Galliumnitrid — das Halbleitermaterial, das im Netzteil den Strom zerhackt und wieder zusammensetzt. Jahrzehntelang war das Silizium. Galliumnitrid schaltet deutlich schneller und verliert dabei weniger Energie als Wärme.
Beides zusammen erklärt die kleinere Bauform. Schnelleres Schalten heisst kleinere Spulen und Kondensatoren. Weniger Abwärme heisst weniger Kühlfläche. Was bleibt, ist ein Netzteil, das bei gleicher Wattzahl auf etwa die halbe Grösse schrumpft.
Was du im Alltag davon hast
- Es passt in die Hosentasche. Der eigentliche Gewinn ist nicht das Gewicht, sondern dass du es überhaupt mitnimmst.
- Es bleibt kühler. Weniger Verlustwärme bedeutet weniger thermische Drosselung — die Leistung bricht unterwegs nicht ein.
- Ein Gerät für alles. Mehrfach-Ladegeräte mit 65 bis 100 Watt versorgen Telefon, Tablet und Notebook gleichzeitig und teilen die Leistung dynamisch auf.
Der letzte Punkt ist der unterschätzte. Steckst du ein zweites Gerät an, verteilt das Netzteil selbstständig neu — du musst nichts umstecken. Drei Netzteile im Rucksack werden so zu einem.
Wo GaN nichts ändert
Schneller lädt dein Telefon mit GaN nicht. Das Ladetempo bestimmt die Wattzahl und was das Gerät annimmt, nicht das Halbleitermaterial. Ein 20-Watt-GaN-Ladegerät und ein 20-Watt-Siliziumnetzteil laden ein iPhone exakt gleich schnell — das eine ist nur kleiner.
Und die Steckdose zu Hause interessiert die Bauform wenig. Wer ein Netzteil ohnehin nie bewegt, hat vom Aufpreis wenig. Der Gewinn liegt beim Mitnehmen: Reise, Büro, Zweitwohnung.
Welche Wattzahl du brauchst
| Leistung | Wofür | Anmerkung |
|---|---|---|
| 20–30 W | Smartphone | lädt ein iPhone in rund 30 Minuten auf die Hälfte; mehr Watt bringt hier kaum Tempo |
| 45 W | Tablet, schlanke Notebooks | iPad Pro, MacBook Air, Ultrabooks im normalen Betrieb |
| 65–100 W | MacBook Pro, Gaming-Notebooks | nötig, wenn das Notebook unter Last lädt — sonst hält der Akkustand bestenfalls |
Worauf du beim Kauf achtest
Die Wattzahl auf der Packung ist die Summe über alle Anschlüsse, nicht pro Anschluss. Ein 65-Watt-Ladegerät mit drei Ports gibt an einem Gerät 65 Watt ab — bei zwei Geräten teilt es auf, oft 45 plus 20. Für ein Notebook, das unter Last lädt, ist das ein Unterschied.
Hersteller wie Anker und UGREEN geben die Aufteilung meist in einer Tabelle an. Fehlt diese Angabe ganz, ist Vorsicht angebracht: Dann steht die grosse Zahl auf der Packung, und was bei zwei Geräten ankommt, bleibt offen.
Ein zweiter Punkt: Ein GaN-Ladegerät braucht ein passendes Kabel. Die vollen 100 Watt kommen nur an, wenn das Kabel sie auch führt — ein altes 60-Watt-Kabel deckelt die Leistung, egal wie stark das Netzteil ist.